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Matterhorn

Am 17.2.2018 feierte das neue Musical Matterhorn, von Michael Kunze und Albert Hammond unter der Regie von Shekhar Kapur, seine Welturaufführung im Theater St. Gallen. 

Im Stück geht es um den jungen, englischen Zeichner Edward Whymper, der im Jahre 1865 als erster Mensch das Matterhorn bestieg. Dies klappte allerdings nicht gleich beim ersten Mal. Er war aber so besessen davon auf diesen Berg zu kommen, dass er nicht aufgab. Diese Besessenheit führte auch dazu, dass sich der Berg für ihn personifizierte. Orka, heisst diese Gestallt und ist ein Teil der Natur. Beim achten Versuch gelingt es ihm dann endlich von der Schweizer Seite aus den Berg zu erklimmen. Er steht als erster Mensch auf dem Matterhorm und dies noch vor den Italienern, welche zur gleichen Zeit unterwegs waren. Die Siegeslaune hält allerdings nicht lange an, den der Triumph wird durch einen tragischen Zwischenfall überschattet. Obwohl es nicht Whympers Schuld war, übernimmt er alle Verantwortung, und der Fall wird untersucht. Nur durch eine entscheidende Wendung bei der Untersuchung, ist Edward Whymper heute ein Held. 

Foto: Andreas J. Etter
Foto: Andreas J. Etter

Schon nach der Einführungsmatinee im Februar war mir klar, dass ich dieses Stück unbedingt sehen will.  

Am 17.6.2018 ging es für mich endlich nach St. Gallen, nur mit dem Wissen der Einführungsmatinee, der Pressekonferenz und einzelner Videos vom Theater. Ich wollte mich komplett überraschen lassen und nicht schon mit einem gewissen Vorurteil, durch andere Kritiken, in die Vorstellung gehen. Und ich habe es sehr genossen einfach mal alles auf mich wirken lassen zu können. Schon nach dem ersten Akt war ich vollkommen im Bann des Matterhorns.

 

Was sofort ins Auge sticht ist die Bühne. Denn diese ist schräg. Sehr ungewöhnlich, passt aber perfekt. Für mich das absolute Highlight war das Matterhorn selbst, mit der Spiegelung im See (siehe Bild). So wunderschön gemacht und man hat gleich das Gefühl wirklich in Zermatt zu sein.  

Das Design erinnert an Zeichnungen aus alten Bücher. So wurden auch Räume dargestellt. Von der Seite wurden Leinwände eingefahren (auch diese Grandios gestaltet) auf welche Zeichnungen projiziert wurden, und so wechselten auch die Schauplätze. Was auch sehr eindrücklich war, war die Drehbühne am hinteren Ende der Bühne. Diese liess sich gleichzeitig auch erhöhen und so veränderte sich dass Bühnenbild stetig. Der Aufstieg und Abstieg waren grossartig inszeniert. Auch hier wurde wieder mit Projektionen gearbeitet. Ich hatte sofort das Gefühl, tatsächlich mitten in den Alpen zu sein und bei dem Ganzen voll dabei zu sein. 

Das Bühnenbild ist im Vergleich zu den Vampiren, um einiges grösser und Wandelbarer. Ein riesen Respekt an alle Mitarbeiter des Theaters, welche das Bühnenbild immer auf und abbauen. 

 

Was an diesem Abend allerdings nicht so gut war, war der Ton. Leider war die Band teilweise lauter, als die Darsteller. Gerade bei der Ouverture machte sich dies stark bemerkbar. Sabrina Weckerlin welche Orka spielt, verstand man bei den ersten paar Zeilen der Ouvertüre fast gar nicht. Es besserte sich im Verlauf, allerdings kam es immer mal wieder vor, dass man sehr genau hinhören musste.

Die Musik selbst war grossartig. Abwechslungsreich, mit der einen oder anderen Überraschung. Sie wird von einer achtköpfigen Band gespielt, was auch völlig ausreicht, da die Songs eher rockig angehaucht sind, bis auf ein, zwei Ausnahmen. 

Foto: Andreas J. Etter
Foto: Andreas J. Etter

Nun zur Cast. Oedo Kuipers spielte an diesem Abend Edward Whymper und Veronica Appeddu Olivia Buckingham, die Tochter des Seilfabrikant John Buckingham. Beide waren grossartig. Stimmlich sowie auch schauspielerisch.

Bei Veronica hatte ich zuerst ein wenig Angst, sie nicht richtig zu verstehen, da sie wohl bei der "Tanz der Vampire" Tour noch einen sehr starken Akzent hatte. Beurteilen kann ich es nicht, da ich sie in diesem Stück nicht gesehen habe. Meine Ängste verschwanden dann aber gleich nach ihrem ersten Auftritt. Was für eine tolle Stimme, und sie passt sehr gut in die Rolle der Olivia. 

Oedo hatte ich bis dahin ebenfalls noch nicht live auf der Bühne gesehen, kenne ihn aber von der "Mozart!" DVD, und war dort schon begeistert von ihm. Umso mehr war ich auf seine Darstellung von Edward gespannt. Und auch er war grossartig. Er hat die Rolle stark und selbstbewusst angelegt, und man merkte von Anfang an seinen Ehrgeiz, diesen Berg zu erklimmen. 

Wie oben schon erwähnt spielt Sabrina Weckerlin den Berggeist Orka. Wow, sie hat mich echt aus dem Sitz gehauen. Sie sang ihre ersten Textzeile, und ich hatte sofort Gänsehaut. Was für eine tolle Stimme! Ich durfte sie bisher einmal live auf der Bühne erleben, und dort war sie schon grandios, aber an diesem Abend hat sie nochmals einen draufgesetzt. Auch schauspielerisch einfach wow. Sie passt perfekt in diese Rolle. 

Wer auch sehr herausgestochen hat, war Luigi Schifano, welcher den buckligen Luc Meynet spielt. Seine Rolle bringt am Schluss die entscheidende Wendung der Geschichte. Er sorgte unter anderem mit seinen beiden Solos für die gesangliche Überraschung an diesem Abend. Auch er einfach grandios, gesanglich und schauspielerisch.

 

Die ganze Cast ist einfach grandios. Alle Rollen grossartig besetzt und jeder sticht mit seiner Leistung heraus. 

 

Ich werde es mir nach der Sommerpause auf jeden Fall nochmals ansehen, denn mich interessieren die Interpretation von Rune Høck Møller und Lisa Antoni sehr. Die Beiden spielen ebenfalls die Rollen des Edward Whymper und der Olivia Buckingham. Sie wechseln sich mit den anderen Beiden Darstellern ab und diese beiden Rollen sind auch die Einzigen, welche doppelt besetzt sind.

Nach der Sommerpause (9. Sept. 2018 ist Wiederaufnahme) spielt es noch bis Februar im Theater St. Gallen, dies aber wie immer nur an ausgewählten Daten. Auf der Website des Theaters könnt ihr jederzeit nachschauen, dort seht ihr auch wer an welchem Datum spielt. 

Was noch wichtig ist, am besten mittig sitzen. Auf den Seiten ist man teils etwas Sichteingeschränkt. 

 

Ich kann das Stück nur empfehlen! Es passt einfach alles. Was das Theater da wieder auf die Beine gestellt hat, einfach grandios!