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Die Schöne und das Biest, Walensee-Bühne

Bei diesem Titel kommen vielen bestimmt gleich der Disney Zeichentrickfilm in den Sinn, und ja auch von dem gibt es ein Musical. Allerdings wird auf der Walensee-Bühne nicht diese, sondern die erste deutsche Musical-Fassung von Martin Doepke gespielt, welche unter der Regie von Stanislav Mosa neu inszeniert wurde. 

Die Handlung ist im grossen und ganzen gleich. Bella trifft durch ihren Vater auf das Biest, auf welchem ein Fluch lastet der nur durch die wahre Liebe gebrochen werden kann. Mit der Version und Musik von Disney kann man es allerdings nicht vergleichen.

Foto: Andy Mettler (swiss-image.ch)
Foto: Andy Mettler (swiss-image.ch)

Dank einem Gewinnspiel hatte ich die Möglichkeit bei der Premiere dabei zu sein. Für mich war es die erste Open Air Musical Produktion und ich war schon sehr darauf gespannt.

Das Bühnenbild war schön umgesetzt und es waren alle drei Schauplätze gut ersichtlich (Schenke, Verwunschener Wald, Schloss). Durch die ganze Umgebung rund um den Walensee verwandelte sich das Ganze in eine wunderschöne Märchenlandschaft. 

Die Kostüme waren passend zum ganzen, gerade die der Dorfbewohner waren sehr authentisch und auch bei den verwunschenen Gegenstände war gut ersichtlich was sie sind. Das Biest war ebenfalls sehr gut geschminkt und hatte ein gutes Kostüm. Von den beiden Ballkleidern die Bella trug war ich allerdings etwas enttäuscht. Gerade vom ersten, dem Blauen, da es einfach ein Reifrock mit einem Blauen Stoff darüber war und der Reifrock immer wieder sichtbar war. Auch beim Gelben war dies der Fall, nur hatte es noch ein wenig mehr Tüll darüber, was mir dann etwas besser gefallen hat. Sehr schade, da für mich gerade das gelbe Kleid das wichtigste ist und auch einiges hermachen sollte. Aber vielleicht sind sie auch so gemacht, wegen dem Wetter. 

Foto: Andy Mettler (swiss-image.ch)
Foto: Andy Mettler (swiss-image.ch)

Die Story selbst hat mich hier leider überhaupt nicht gepackt. Die Spannung war sehr flach und es gab keinen Höhepunkt. Klar, ich kannte den Verlauf der Geschichte, aber bis jetzt hat mich jede Version dieses Märchen in seinen Bann gezogen, nur eben nicht diese. Dies lag aber sehr wahrscheinlich auch an der Musik, welche sehr belanglos war. Sie zog mehr oder weniger an mir vorbei, und keine Melodie blieb hängen. Auch wurden wichtige Szenen wie z.B. der Kampf nicht musikalisch untermalt. Dies war dann sehr komisch, da der Kampf in Zeitlupe stattfindet und es dann eine halbe Minute einfach still auf der Bühne war und die Spannung gar nicht aufkommen konnte. Auch bei der Jagd auf das Biest fehlte die Spannung komplett, da diese durch die Musik nicht aufgebaut wurde und so auch zu keinem Höhepunkt kommen konnte.

Das Orchester bestand aus ca. 13 Musikern, welche gut gespielt haben. Der Ton war grossartig. Man hat alles verstanden und es war gut abgemischt.

Die Darsteller waren alle gut besetzt.

Eveline Suter spielt Bella. Eine grossartige Darstellerin, welche diese Rolle wunderbar verkörpert. Ich durfte sie schon im Musical "Anna Göldi" live erleben, und auch dort hat sie mich von Anfang an überzeugt.

Das Biest wird durch Istvan Csiszar verkörpert. Auch er hat gut gespielt und gesungen, nur leider war mir das Biest nicht furchteinflössend genug, gerade am Anfang. Am Schluss passte es dass er eher "nett" ist, aber gerade am Anfang hätte ich mir mehr Verbitterung gewünscht. 

Gustav, der Verehrer von Bella wird von Jan Oliver Bühlmann gespielt. Er war 2010 Mister Schweiz und ist als Musiker unterwegs. Für ihn ist die Rolle als Gustav das erste professionelle Musical-Engagement. Und er macht es grossartig! Seine Rolle und die von Patric Scott, welcher den Freund von Gustav spielt, sind die perfekte Kombination. Die Beiden waren auch das Highlight des ganzen Stückes. Sie brachten Schwung hinein und man hatte was zu lachen. 

Auch alle andere der Cast waren grossartig, was über die fehlende Spannung hinwegtröstete.

Foto: Andy Mettler (swiss-image.ch)
Foto: Andy Mettler (swiss-image.ch)

Die Vorstellung verliess ich schlussendlich enttäuscht, obwohl ich wusste dass es nicht die altbekannte Disneyversion sein wird und ich mich auf vieles eingestellt hatte. Wie oben schon erwähnt, die grossartige Cast, sowie das Bühnenbild und die Kulisse rundherum tröstete mich über die fehlende Spannung und die belanglose Musik hinweg.